Welche Brennnesseln eignen sich?
Am besten junge, frische Brennnesseln mit viel Blattmasse. Die Große Brennnessel (Urtica dioica) wächst an Wegrändern, Zäunen und Waldrändern praktisch überall. Du erkennst sie an den gezackten Blättern und den feinen Brennhaaren auf Stängel und Blattunterseite.
Ernte die Pflanzen bevor sie blühen. Blühende Brennnesseln enthalten weniger Stickstoff und verteilen im schlimmsten Fall ihre Samen über deinen Garten. Handschuhe und lange Ärmel sind Pflicht - das hat vermutlich jeder schon auf die harte Tour gelernt.
Befallene Pflanzen mit starkem Rost- oder Läusebelag lässt du besser stehen. Gesunde, kräftig grüne Exemplare liefern die besten Ergebnisse.
Ansetzen: Schritt für Schritt
Du brauchst ein Gefäß aus Kunststoff, Holz oder Ton. Kein Metall - das reagiert mit der Jauche und kann Stoffe freisetzen, die deinen Pflanzen schaden. Ein handelsüblicher 10-Liter-Baueimer aus dem Baumarkt tut es völlig.
- Brennnesseln grob zerkleinern und den Eimer etwa zur Hälfte füllen. Wer es genau mag: 1 kg frische Brennnesseln auf 10 Liter Wasser.
- Mit Wasser auffüllen, bis alles bedeckt ist. Regenwasser ist ideal. Leitungswasser einen Tag stehen lassen, damit Chlor ausgast.
- Ein bis zwei Handvoll Gesteinsmehl einrühren. Das bindet einen Teil des Geruchs - und der wird intensiv.
- Mit Jute, einem alten Sack oder einem lockeren Deckel abdecken. Nicht luftdicht verschließen, die Gase müssen entweichen können.
- An einen sonnigen Platz stellen. Sonne beschleunigt die Gärung.
- Täglich einmal umrühren.
Woran erkennst du, dass die Jauche fertig ist?
Nach 10 bis 14 Tagen ist die Gärung abgeschlossen. Du erkennst es daran, dass keine Bläschen mehr aufsteigen und der anfängliche Schaum verschwunden ist. Die Flüssigkeit hat sich dunkelbraun verfärbt und riecht zwar immer noch streng, aber nicht mehr so beißend wie während der aktiven Gärung.
Jetzt die Pflanzenreste abseihen - ein altes Küchensieb oder ein Jutesack reichen. Die Reste kommen auf den Kompost. Die fertige Jauche ist dein Konzentrat.
Richtig verdünnen und anwenden
Brennnesseljauche niemals pur gießen. Unverdünnt verbrennt sie die Wurzeln und schadet mehr als sie nutzt.
- Starkzehrer (Tomaten, Zucchini, Kürbis, Kohl): 1 Teil Jauche auf 10 Teile Wasser (1:10)
- Jungpflanzen und empfindliche Gewächse: 1:20, also deutlich verdünnter
- Blattdüngung (Sprühen): 1:50, fein filtern, damit die Sprühflasche nicht verstopft
Immer direkt an den Boden gießen, nicht über die Blätter. Am besten morgens oder abends, nie in der prallen Mittagssonne. Für Tomaten im Beet hat sich bei uns einmal pro Woche während der Hauptwachstumszeit bewährt. Ab der Blüte ist der Nährstoffbedarf besonders hoch - genau dann zahlt sich die Jauche aus.
Für welche Pflanzen geeignet?
Brennnesseljauche liefert vor allem Stickstoff und Kalium. Damit ist sie perfekt für alles, was schnell und kräftig wachsen soll. Laut dem NDR-Gartenratgeber gehört Brennnesseljauche zu den wirksamsten selbst hergestellten Düngern überhaupt.
Gut geeignet: Tomaten, Gurken, Zucchini, Kürbis, alle Kohlarten, Lauch, Sellerie, Beerensträucher, Dahlien und die meisten Stauden.
Lieber nicht: Bohnen, Erbsen, Möhren, Radieschen, Knoblauch und Zwiebeln. Diese Schwachzehrer reagieren empfindlich auf zu viel Stickstoff. Auch Zwiebelblumen wie Tulpen oder Begonien vertragen die Jauche schlecht.
Jauche, Brühe oder Kaltwasserauszug?
Die drei Begriffe werden oft durcheinandergeworfen, meinen aber verschiedene Dinge:
- Jauche: 10-14 Tage vergoren. Starker Dünger mit viel Stickstoff. Das, was wir hier beschreiben.
- Brühe: Brennnesseln mit Wasser aufkochen, 12-24 Stunden ziehen lassen. Eher zur Stärkung und gegen Schädlinge als zum Düngen.
- Kaltwasserauszug: Brennnesseln in kaltem Wasser, 1-2 Tage ziehen, keine Gärung. Milder, schnell fertig, gut gegen Blattläuse auf die Blätter gesprüht.
Für die regelmäßige Düngung im Gemüsebeet ist die Jauche die richtige Wahl. Brühe und Kaltwasserauszug sind Ergänzungen für den Pflanzenschutz.
Brennnesseljauche kaufen - für alle, die ihre Nachbarn noch mögen
Selbst ansetzen ist günstiger, keine Frage. Aber wer im Reihenhaus wohnt, einen Balkon ohne Brennnesseln in der Nähe hat oder einfach nicht zwei Wochen lang einen stinkenden Eimer im Garten stehen haben will: Es gibt fertige Konzentrate. Aufdrehen, verdünnen, gießen - funktioniert genauso, nur ohne die olfaktorische Herausforderung.
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Haltbarkeit und Lagerung
Frische Jauche ist am wirksamsten. Über einige Wochen kannst du sie kühl und abgedeckt lagern, aber nicht luftdicht - die Gase müssen entweichen können. Wenn die Jauche schleimig wird und faulig statt nur streng riecht, ist sie gekippt. Dann ab damit auf den Kompost und einen neuen Ansatz starten.
Besser als eine große Ladung für die ganze Saison: Setz alle drei bis vier Wochen einen frischen Eimer an. So hast du immer wirksame Jauche und der Aufwand bleibt überschaubar. Brennnesseln wachsen sowieso den ganzen Sommer nach, Nachschub ist also kein Problem.
Die häufigsten Fehler
- Metalleimer verwenden - reagiert mit der Jauche, nimm Kunststoff oder Holz
- Nicht umrühren - ohne tägliches Rühren gärt die Jauche ungleichmäßig und stinkt stärker
- Luftdicht verschließen - der Eimer muss atmen können, sonst baut sich Druck auf
- Pur gießen - immer verdünnen, mindestens 1:10
- Mittags in der Hitze düngen - morgens oder abends ist besser
- Schwachzehrer düngen - Bohnen, Erbsen und Möhren brauchen keine Brennnesseljauche
Wer sich an diese Punkte hält, hat mit Brennnesseljauche einen zuverlässigen, kostenlosen Dünger, der Saison für Saison funktioniert. Unsere Tomaten wachsen damit seit Jahren prächtig - und die Brennnesseln am Gartenrand haben endlich einen Sinn.
Video: Brennnesseljauche selber machen
Video von Gartengemüsekiosk auf YouTube