Was genau sind Geiztriebe?

Geiztriebe wachsen in den Achseln zwischen dem Hauptstamm und einem Blatt. Sie sehen anfangs wie kleine grüne Knospen aus und wachsen schnell zu vollständigen Seitentrieben heran - mit eigenen Blättern, Blüten und Früchten. Klingt erstmal gut, ist es aber nicht unbedingt.

Das Problem: Jeder Geiztrieb wird zu einem eigenen kleinen Tomatenstrauch. Die Pflanze verzweigt sich immer weiter, wird buschig und unübersichtlich. Die Energie verteilt sich auf zu viele Triebe. Das Ergebnis sind viele kleine, oft unreife Tomaten statt weniger großer, voll ausgereifter Früchte. Außerdem wird die Pflanze so dicht, dass Luft schlecht zirkuliert - ein Einfallstor für Pilzkrankheiten wie die gefürchtete Braunfäule.

Wann anfangen?

Sobald die ersten Geiztriebe sichtbar werden - meist zwei bis drei Wochen nach dem Auspflanzen ins Freie. Die Triebe lassen sich am einfachsten entfernen, wenn sie noch klein sind, etwa 3 bis 5 Zentimeter lang. In dieser Größe brechen sie sauber ab und die Wunde heilt schnell.

Ab dann heißt es: einmal pro Woche kontrollieren. Im Hochsommer, wenn die Pflanzen schnell wachsen, auch alle vier bis fünf Tage. Das klingt nach Arbeit, dauert aber pro Pflanze nur ein paar Sekunden.

So geht es richtig

Den Geiztrieb zwischen Daumen und Zeigefinger fassen und zur Seite wegknicken. Er bricht sauber ab. Kein Messer nötig, keine Schere. Die Bruchstelle trocknet innerhalb weniger Stunden.

Am besten morgens ausgeizen, wenn die Pflanze prall mit Wasser gefüllt ist. Dann brechen die Triebe am saubersten. Abends, wenn die Pflanze etwas schlaff ist, reißt der Bruch unsauber und die Wunde ist größer.

Nicht verwechseln: Geiztriebe wachsen in der Blattachsel - also im Winkel zwischen Stamm und Blattstiel. Die Blütenstände wachsen direkt aus dem Stamm. Blütenstände niemals entfernen, sonst gibt es keine Tomaten.

Welche Tomaten muss man ausgeizen?

Nicht alle Tomatensorten werden ausgegeizt. Die Grundregel:

Wenn du unsicher bist, welche Sorte du hast: Stabtomaten wachsen immer weiter nach oben und brauchen eine Stütze. Buschtomaten hören irgendwann auf zu wachsen und bleiben kompakt. Auf der Samenpackung steht meistens, ob es eine Stab- oder Buschtomate ist.

Profi-Tipp: Bei Stabtomaten kannst du den untersten Geiztrieb stehen lassen und als zweiten Haupttrieb hochziehen. Das ergibt eine Pflanze mit zwei Stämmen - mehr Ertrag, ohne dass es zu buschig wird. Laut COMPO ist das die gängige Praxis bei vielen Profigärtnern.

Video: Tomaten richtig ausgeizen

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Was passiert, wenn man nicht ausgeizt?

Die Pflanze wächst trotzdem und trägt Früchte. Niemand muss ausgeizen. Aber ohne Ausgeizen bekommst du eine dichte, buschige Pflanze mit vielen kleinen Tomaten, die oft erst spät reifen. Besonders in Regionen mit kurzen Sommern bleiben dann viele Tomaten grün.

In unserem Garten hat sich gezeigt: Ausgegeizte Pflanzen tragen weniger Früchte, aber die einzelnen Tomaten sind deutlich größer und reifen zwei bis drei Wochen früher. Das macht gerade bei Fleischtomaten einen spürbaren Unterschied.

Ausgeizen bei Tomaten im Topf

Auf dem Balkon oder der Terrasse ist Ausgeizen besonders wichtig. Im Topf haben die Wurzeln weniger Platz und weniger Nährstoffe als im Beet. Eine buschige Pflanze verbraucht mehr Ressourcen als eine schlanke. Wer seine Tomaten im Topf regelmäßig düngt und ausgeizt, holt das Maximum aus dem begrenzten Platz heraus.