Warum Mitte Mai der richtige Zeitpunkt ist

Wer seine Tomaten selbst auf der Fensterbank vorgezogen hat, steht jetzt vor der entscheidenden Frage: Ab wann dürfen sie raus? Tomaten stammen ursprünglich aus den Anden Südamerikas. In ihrer Heimat kennen sie keinen Frost, keine kalten Nächte und schon gar keinen deutschen April. Für gesundes Wachstum brauchen sie tagsüber mindestens 15 Grad und nachts nicht unter 8 Grad. Fällt die Temperatur unter 5 Grad, stellt die Pflanze ihr Wachstum ein. Bei Frost stirbt sie ab.

In Deutschland bringen die Eisheiligen zwischen dem 11. und 15. Mai oft den letzten Kälteeinbruch der Saison. Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die kalte Sophie - diese fünf Tage haben schon unzähligen Hobbygärtnern die Ernte gekostet. Erst danach sind die Nächte in den meisten Regionen zuverlässig frostfrei.

Neben der Lufttemperatur spielt die Bodentemperatur eine entscheidende Rolle. Tomaten wachsen erst richtig, wenn die Erde dauerhaft über 12 Grad warm ist. Kalte Wurzeln hemmen die Nährstoffaufnahme - die Pflanze kümmert vor sich hin, obwohl die Sonne scheint. Ein einfaches Bodenthermometer kostet wenige Euro und spart dir möglicherweise eine ganze Saison.

Faustregel: Ab dem 16. Mai die Wettervorhersage prüfen. Wenn für die kommende Woche keine Nachttemperaturen unter 5 Grad angekündigt sind, kannst du loslegen.

Ab April abhärten - so geht es richtig

Die ersten warmen Apriltage sind perfekt, um deine Tomatenpflanzen an die Außenwelt zu gewöhnen. Stell die Töpfe tagsüber für zwei bis drei Stunden nach draußen - an einen geschützten, hellen Platz ohne direkte Mittagssonne und ohne Wind. Das klingt nach wenig, reicht aber am Anfang völlig aus.

Abends kommen die Pflanzen wieder rein. Über die nächsten Tage verlängerst du die Draußen-Zeit schrittweise. Nach etwa zwei Wochen sind die Tomaten abgehärtet und können auch mal einen ganzen Tag im Freien verbringen. So gewöhnen sich Blätter und Stängel an UV-Strahlung, Temperaturschwankungen und Luftbewegung.

Ohne diese Abhärtungsphase reagieren die Blätter mit weißlichen Verbrennungen, sobald sie in der prallen Sonne stehen. Die Pflanze erholt sich davon zwar meistens, verliert aber wertvolle Wachstumszeit. Wer seine Tomaten schon seit Februar auf der Fensterbank vorgezogen hat, möchte diesen Vorsprung nicht am ersten sonnigen Tag wieder verspielen.

Ein guter Platz zum Abhärten: eine Hauswand, die von der Nachmittagssonne angestrahlt wird. Die Wand speichert Wärme und strahlt sie ab - das ergibt ein geschütztes Mikroklima, das die Pflanzen mögen. Terrasse oder Balkon funktionieren genauso, solange sie nicht zugig sind.

Was tun bei Spätfrost?

Wer nicht warten kann oder will: Folienzelt, Frühbeet oder Gewächshaus bieten Schutz. Unter diesen Bedingungen können Tomaten schon Anfang Mai raus - manchmal sogar Ende April. Wichtig ist, dass die Temperatur auch nachts nicht unter 5 Grad fällt.

Stehen die Pflanzen bereits im Beet und Frost droht, helfen kurzfristige Maßnahmen:

Pflanzvlies schützt bis etwa minus 2 Grad. Bei stärkerem Frost reicht das nicht. In dem Fall hilft nur, die Pflanzen vorübergehend ins Haus zu holen - sofern sie noch im Topf stehen.

Achtung: Bereits Temperaturen um 0 Grad schädigen junge Tomatenpflanzen. Die Blätter werden schlaff und dunkel. Bei Minusgraden ist die Pflanze nicht mehr zu retten.

Bildergalerie: Tomaten ins Freiland

Checkliste: Tomaten auspflanzen

  1. Eisheilige abwarten (ab 16. Mai)
  2. Wettervorhersage prüfen - keine Nachtfröste in Sicht?
  3. Bodentemperatur messen - mindestens 12 Grad
  4. Pflanzen 2 Wochen vorher abhärten
  5. Sonnigen, windgeschützten Standort wählen
  6. Pflanzabstand: mindestens 50 cm
  7. Tief pflanzen - bis zum ersten Blattpaar
  8. Rankhilfe direkt beim Pflanzen setzen
  9. Gründlich angießen

Gewächshaus, Hochbeet, Balkon - andere Regeln?

Im Gewächshaus kannst du Tomaten schon Anfang Mai auspflanzen. Die Temperaturen sind dort stabiler, Frost kein Thema. Ein unbeheiztes Gewächshaus bringt dir gegenüber dem Freiland etwa zwei bis drei Wochen Vorsprung. Trotzdem ist regelmäßiges Lüften nötig. Steht die Luft, steigt die Luftfeuchtigkeit - und damit das Risiko für Pilzkrankheiten wie Braunfäule.

Im Hochbeet ist die Erde etwas wärmer als im normalen Beet, weil die Verrottung der unteren Schichten Wärme erzeugt. Gerade in den ersten zwei Jahren nach dem Befüllen kann die Temperatur im Hochbeet bis zu 5 Grad über der Umgebungstemperatur liegen. Das gibt dir einen Vorsprung von ein bis zwei Wochen gegenüber dem Flachbeet.

Auf dem Balkon stehen Tomaten oft geschützt an der Hauswand und profitieren von der gespeicherten Wärme des Gebäudes. An einer Südwand im vierten Stock kann es nachts deutlich wärmer sein als im Garten. Trotzdem: Bei Frostwarnung die Töpfe reinräumen. Das ist der große Vorteil gegenüber dem Beet - du bleibst flexibel und kannst auf kurzfristige Wetteränderungen reagieren.