Sommer- oder Herbsthimbeeren?
Das ist die erste Entscheidung, und sie bestimmt alles Weitere - vor allem den Schnitt.
Sommerhimbeeren tragen im Juni und Juli an den Ruten, die im Vorjahr gewachsen sind (zweijährige Ruten). Nach der Ernte werden diese Ruten bodennah abgeschnitten. Die neuen Ruten, die im selben Jahr wachsen, tragen dann im nächsten Sommer.
Herbsthimbeeren tragen von August bis Oktober an den Ruten, die im selben Frühjahr gewachsen sind (einjährige Ruten). Nach der Ernte oder im Spätwinter schneidest du alle Ruten bodennah ab. Fertig. Einfacher geht es nicht.
Für Einsteiger empfehle ich Herbsthimbeeren. Der Schnitt ist simpel (alles runter), sie sind weniger anfällig für die Himbeerrutenkrankheit und liefern Früchte zu einer Zeit, in der Sommerhimbeeren längst durch sind. Beliebte Sorten: "Autumn Bliss", "Polka" und "Heritage".
Wer beides kombiniert, hat von Juni bis Oktober durchgehend frische Himbeeren. Dann aber in getrennten Reihen pflanzen, damit du beim Schnitt nicht durcheinander kommst.
Pflanzen: Standort und Boden
Himbeeren mögen einen sonnigen bis halbschattigen Platz mit lockerem, humosem Boden. Sie reagieren empfindlich auf Staunässe - nasse Füße bedeuten Wurzelfäule. Schwere Böden vor der Pflanzung mit reichlich Kompost und Sand verbessern.
Idealerweise leicht saurer Boden (pH 5,5 bis 6,5). Himbeeren stehen gern am Rand des Gartens, an einem Zaun oder einer Mauer. Das gibt gleichzeitig Windschutz und eine Befestigungsmöglichkeit für das Spalier.
Pflanzzeit ist Oktober bis November oder März bis April. Herbstpflanzung hat den Vorteil, dass die Pflanzen über den Winter einwurzeln und im Frühjahr direkt loslegen.
Pflanzabstand: 40 bis 50 cm zwischen den Pflanzen in der Reihe. Zwischen den Reihen 1,50 Meter. Das klingt viel, aber Himbeeren breiten sich über Wurzelausläufer aus und füllen die Lücken innerhalb von ein bis zwei Jahren.
Pflanztiefe: Die Pflanzen etwa 5 cm tiefer setzen, als sie im Topf standen. Das fördert die Bildung neuer Ruten aus dem Wurzelbereich. Nach dem Pflanzen die vorhandenen Ruten auf 30 cm zurückschneiden. Das regt das Wurzelwachstum an.
Spalier und Stützkonstruktion
Himbeeren brauchen eine Stütze. Ohne Spalier kippen die bis zu zwei Meter langen Ruten bei Wind und Regen um, die Früchte liegen am Boden und verschimmeln.
Das einfachste Spalier: Zwei stabile Pfosten (Holz oder Metall) an den Enden der Reihe in den Boden rammen, 1,80 Meter hoch. Dazwischen auf drei Höhen (50 cm, 100 cm, 150 cm) verzinkten Draht spannen. Die Ruten locker am Draht festbinden. Das reicht für die meisten Gärten.
Laut der GartenFlora ist ein Drahtspalier die einfachste und effektivste Stütze für Himbeeren. Pro laufenden Meter Reihe nicht mehr als acht bis zehn Ruten stehen lassen - das sorgt für gute Durchlüftung und große Früchte.
Richtig schneiden
Hier passieren die meisten Fehler. Der Schnitt unterscheidet sich grundlegend zwischen Sommer- und Herbsthimbeeren.
Sommerhimbeeren schneiden
- Nach der Ernte (Juli/August): Alle abgeernteten Ruten (die braunen, verholzten) direkt über dem Boden abschneiden. Die haben ihre Aufgabe erfüllt und tragen nie wieder.
- Neue Ruten auslichten: Pro laufenden Meter nur die acht bis zehn kräftigsten jungen (grünen) Ruten stehen lassen. Schwache und beschädigte entfernen.
- Im Frühjahr: Abgestorbene Rutenspitzen einkürzen. Nur bis ins gesunde Holz schneiden, nicht weiter.
Herbsthimbeeren schneiden
- Im Spätwinter (Februar/März): Alle Ruten bodennah abschneiden. Komplett. Keine Ausnahmen.
- Im Frühjahr treiben neue Ruten aus, die im selben Jahr Früchte tragen.
- Bei zu vielen neuen Trieben im Mai/Juni auslichten auf acht bis zehn pro Meter.
Pflege und Düngung
Himbeeren sind Flachwurzler. Nicht hacken oder graben in der Nähe der Pflanzen - das beschädigt die oberflächennahen Wurzeln. Unkraut am besten durch Mulchen unterdrücken. Eine dicke Schicht Rindenmulch oder Laub hält den Boden feucht und locker.
Zum Düngen reicht im Frühjahr eine Gabe Kompost oder organischer Beerendünger. Himbeeren sind keine extremen Starkzehrer, brauchen aber regelmäßig Nährstoffe für die Fruchtbildung. Kalium fördert die Fruchtqualität - ein kaliumbetonter Dünger ab der Blüte verbessert Geschmack und Haltbarkeit.
Gießen bei Trockenheit, besonders während der Fruchtreife. Tropfbewässerung ist ideal - hält die Blätter trocken und die Wurzeln gleichmäßig feucht.
Bestäubung und warum Insekten helfen
Himbeeren sind zwar selbstfruchtbar, aber die Bestäubung durch Bienen und Hummeln verbessert den Ertrag und die Fruchtgröße erheblich. Schlecht bestäubte Himbeeren bleiben klein und krümelig - einzelne Teilfrüchte fehlen.
Wer wenig Insektenbesuch hat, kann mit einem Insektenhotel in der Nähe des Beets nachhelfen. Wildbienen und Schwebfliegen sind effektive Bestäuber. Auch blühende Kräuter zwischen den Himbeerreihen locken Insekten an.
Himbeeren sind eine langfristige Investition. Einmal gepflanzt und richtig gepflegt, liefern sie zehn bis fünfzehn Jahre lang zuverlässig Früchte. Der jährliche Schnitt dauert eine halbe Stunde - dafür gibt es kiloweise Himbeeren, die besser schmecken als alles, was im Supermarkt liegt.