Drei Typen im Vergleich
Foliengewächshaus (Folientunnel)
Die günstigste Variante. Stahlrohrgestell mit UV-beständiger Folie bespannt. Aufbau in ein bis zwei Stunden, kein Fundament nötig. Ab 50 Euro für ein kleines Modell, brauchbare Größen (3 x 6 Meter) ab 150 bis 300 Euro.
Vorteile: Günstig, schnell aufgebaut, flexibel umsetzbar. Für den Einstieg perfekt.
Nachteile: Folie hält 3 bis 5 Jahre, dann wird sie brüchig. Sturmanfällig, wenn nicht richtig verankert. Im Winter wenig Isolierung. Sieht nicht besonders elegant aus - aber das stört die Tomaten nicht.
Anlehngewächshaus
Steht an einer Hauswand oder Garagenwand. Nutzt die gespeicherte Wärme der Mauer - das bringt im Frühjahr und Herbst ein paar Grad extra. Platzsparend, weil nur drei Seiten gebaut werden müssen. Kosten: 300 bis 1500 Euro je nach Größe und Material.
Vorteile: Warme Rückwand, wind- und regengeschützt, spart Platz, direkter Zugang vom Haus möglich.
Nachteile: Nur eine Ausrichtung möglich (idealerweise Südwand). Braucht ein Fundament. Weniger Licht als ein freistehendes Haus.
Freistehendes Gewächshaus (Glas oder Hohlkammerplatten)
Das "richtige" Gewächshaus. Aluminium- oder Stahlrahmen mit Echtglas oder Hohlkammerplatten (Stegdoppelplatten). Ab 500 Euro für kleine Modelle, gute Qualität ab 1000 bis 2000 Euro. Braucht ein Fundament.
Vorteile: Stabil, langlebig (20+ Jahre), gute Lichtdurchlässigkeit, professionelles Arbeiten möglich.
Nachteile: Kosten, Aufbau dauert ein Wochenende, Fundament nötig, Baugenehmigung prüfen (variiert je nach Bundesland und Größe).
Welche Größe brauchst du?
Die häufigste Anfängerfrage - und der häufigste Fehler: zu klein kaufen. Ein Gewächshaus fühlt sich im Baumarkt riesig an und im Garten plötzlich winzig, sobald die Pflanzen drin stehen.
- Unter 4 m²: Reicht für ein paar Tomatenpflanzen und das Vorziehen im Frühjahr. Mehr nicht.
- 6 bis 10 m²: Die sinnvolle Einstiegsgröße. Platz für 6 bis 10 Tomatenpflanzen, Gurken, Paprika und einen kleinen Arbeitstisch. Hier landest du, wenn du ehrlich planst.
- Über 10 m²: Für ambitionierte Gärtner. Platz für Mischkultur, Überwinterung von Kübelpflanzen und ganzjährigen Anbau.
Mein Rat: Nimm eine Nummer größer als du denkst. Jeder, den ich kenne, hat innerhalb eines Jahres gesagt: "Hätte ich mal das größere genommen." Ich schließe mich da ausdrücklich ein.
Fundament - ja oder nein?
Foliengewächshäuser kommen ohne Fundament aus. Erdanker reichen. Alles andere braucht eins. Ohne Fundament steht das Gewächshaus schief, verzieht sich mit der Zeit und wird undicht.
Drei Optionen:
- Streifenfundament aus Beton: Solide, dauerhaft, Aufwand etwa ein Wochenende. Für große Gewächshäuser die beste Wahl.
- Punktfundament: Einzelne Betonfüße an den Eckpunkten. Einfacher als ein durchgehendes Fundament, reicht für kleine bis mittlere Häuser.
- Stahlfundamentrahmen: Viele Hersteller bieten passende Rahmen an. Wird auf verdichteten Schotter gesetzt. Weniger Arbeit als Beton, aber teurer.
Belüftung - wichtiger als du denkst
Ein Gewächshaus ohne ausreichende Belüftung ist eine Sauna. An sonnigen Tagen steigen die Temperaturen schnell auf 40 bis 50 Grad. Das tötet Pflanzen und fördert Pilzkrankheiten. Blütenendfäule bei Tomaten entsteht unter anderem durch Hitze- und Trockenstress - beides Folgen schlechter Belüftung.
Mindestens: Ein Dachfenster und ein Türfenster für Querlüftung. Besser: Zwei Dachfenster auf gegenüberliegenden Seiten.
Automatische Fensteröffner: Die beste Investition nach dem Gewächshaus selbst. Wachszylinder, der sich bei Wärme ausdehnt und das Fenster öffnet. Kein Strom nötig, funktioniert zuverlässig, kostet 20 bis 30 Euro pro Fenster. Unverzichtbar, wenn du tagsüber nicht zu Hause bist.
Heizung - brauchst du eine?
Für die meisten Hobbygärtner: Nein. Ein unbeheiztes Gewächshaus verlängert die Saison um etwa vier bis sechs Wochen (zwei Wochen früher starten, zwei bis vier Wochen länger ernten). Das reicht für die meisten Zwecke.
Eine Frostschutzheizung macht Sinn, wenn du im Gewächshaus Kübelpflanzen überwintern willst. Kleine elektrische Gewächshausheizungen mit Thermostat halten die Temperatur über dem Gefrierpunkt. Kosten: 50 bis 100 Euro, plus Strom.
Ein voll beheiztes Gewächshaus für ganzjährigen Anbau? Die Stromkosten fressen den Ertrag auf. Das lohnt sich finanziell nicht - höchstens als Hobby.
Was zuerst anbauen?
Tomaten. Tomaten sind der Hauptgrund, warum die meisten Leute ein Gewächshaus kaufen. Und sie profitieren am stärksten davon: kein Regen auf den Blättern (weniger Braunfäule), höhere Temperaturen (mehr Ertrag), längere Saison (reife Tomaten bis Oktober).
Im Gewächshaus kannst du Tomaten schon ab Mitte Februar vorziehen und sie Anfang Mai ins Gewächshaus pflanzen - zwei Wochen bevor sie ins Freiland dürften. Das bringt dir einen spürbaren Vorsprung bei der Ernte.
Guter Einstiegsmix für ein 6 bis 8 m² Gewächshaus:
- 4 bis 6 Tomatenpflanzen (Stabtomaten, hochgebunden)
- 2 bis 3 Gurkenpflanzen
- 2 bis 3 Paprikapflanzen
- Basilikum als Unterpflanzung zwischen den Tomaten
Gurken und Tomaten zusammen ist umstritten. Gurken wollen es feuchter und wärmer, Tomaten trockener und luftiger. In einem kleinen Gewächshaus funktioniert es trotzdem, wenn du die Gurken an die geschütztere Seite setzt und konsequent lüftest. Laut der NABU-Gartenredaktion kommt es vor allem auf ausreichende Belüftung an.
Kostenübersicht
Damit du nicht am Ende mehr ausgibst als geplant, hier eine realistische Aufstellung:
- Foliengewächshaus 3 x 6 m: 150 bis 300 Euro (ohne Fundament)
- Anlehngewächshaus 2 x 3 m: 400 bis 1200 Euro + Fundament
- Freistehendes Gewächshaus 6 m²: 600 bis 2000 Euro + Fundament (200 bis 500 Euro)
- Automatische Fensteröffner: 20 bis 30 Euro pro Stück
- Rankhilfen und Gewächshausclips: 20 bis 40 Euro
- Gewächshausheizung (Frostschutz): 50 bis 100 Euro + Strom
Für den Einstieg bist du mit einem Foliengewächshaus für unter 200 Euro dabei. Wenn es dir gefällt (und das wird es), kannst du in ein bis zwei Jahren immer noch aufrüsten. Die meisten Gärtner starten mit Folie und landen irgendwann bei Glas. Muss aber nicht sein - ein gut gepflegter Folientunnel liefert die gleiche Ernte.
Ein Gewächshaus ist eine der besten Investitionen im Garten. Nicht wegen der Kosten pro Tomate - die sind im Supermarkt billiger. Sondern weil du Sorten anbauen kannst, die es nirgends zu kaufen gibt. Weil du im April schon erntest, während alle anderen noch warten. Und weil eine Stunde im warmen Gewächshaus an einem kalten Märztag unbezahlbar ist.