Was Mulch im Boden bewirkt
Eine Mulchschicht hat vier Effekte, die sich gegenseitig verstärken:
- Feuchtigkeit bleibt im Boden. Die Verdunstung sinkt drastisch. An heißen Sommertagen macht das den Unterschied zwischen einmal und dreimal gießen.
- Unkraut hat es schwer. Ohne Licht keimen die meisten Unkrautsamen nicht. Die wenigen, die durchkommen, lassen sich leicht aus dem lockeren Mulch ziehen.
- Bodentemperatur wird gepuffert. Im Sommer bleibt der Boden kühler, im Herbst länger warm. Wurzeln mögen diese Stabilität.
- Bodenleben profitiert. Regenwürmer und Mikroorganismen bekommen Futter und Schutz. Sie zersetzen den Mulch von unten und verbessern dabei die Bodenstruktur.
Ich hab jahrelang meine Tomatenbeete nicht gemulcht und mich über vertrocknete Erde und Unkrautmarathons geärgert. Seit ich konsequent mulche, gieße ich im Hochsommer halb so oft. Das allein ist den Aufwand wert.
Mulchmaterial im Vergleich
Rasenschnitt
Das häufigste Material, weil es regelmäßig anfällt. Rasenschnitt ist stickstoffreich und zersetzt sich schnell. Aber Achtung: Frischen Rasenschnitt erst einen Tag antrocknen lassen. Eine dicke Schicht feuchter Rasenschnitt verklebt, fault und stinkt. Maximal 3 bis 5 cm dick auftragen und nach zwei Wochen nachschichten.
Stroh
Perfekt für Erdbeeren - der englische Name "strawberry" kommt nicht von ungefähr. Die Früchte liegen sauber auf dem Stroh statt im Matsch. Stroh ist außerdem gut um Tomaten, Paprika und Zucchini herum. Es zersetzt sich langsam und bindet dabei Stickstoff aus dem Boden. Deshalb bei Stroh etwas mehr düngen.
Rindenmulch
Beliebt, aber oft falsch eingesetzt. Rindenmulch gehört auf Wege und unter Sträucher - nicht ins Gemüsebeet. Er versauert den Boden leicht und entzieht beim Verrotten Stickstoff. Für Beerensträucher und Zierbeete ist er gut geeignet, für Starkzehrer wie Tomaten oder Zucchini nicht.
Holzhäcksel
Ähnlich wie Rindenmulch, aber gröber und günstiger. Viele Kommunen verschenken Häckselgut. Auf Wegen und unter Hecken ideal. Im Gemüsebeet nur als unterste Schicht im Hochbeet, nicht als Mulch auf der Oberfläche.
Laub
Herbstlaub ist kostenlos und reichlich verfügbar. Eichenlaub verrottet langsam und macht sauer - gut für Heidelbeeren, weniger für Gemüse. Obstbaumlaub und Lindenlaub zersetzen sich schneller und sind neutral. Im Frühjahr die Reste vom Beet räumen, bevor du neu pflanzt.
Grasschnitt und Pflanzenmaterial gemischt
Abgeschnittene Gründüngung, gehäckselter Beinwell, Brennnesseln (vor der Samenreife) - alles brauchbar. Diese Materialien bringen gleichzeitig Nährstoffe mit und funktionieren als Mulch und Langzeitdünger in einem.
Welcher Mulch für welchen Bereich?
Gemüsebeet: Rasenschnitt, Stroh oder Mischungen aus Pflanzenresten. Alles, was sich innerhalb einer Saison zersetzt und Nährstoffe liefert. Beim Düngen von Tomaten kannst du den Mulch als Ergänzung nutzen - er hält den Boden feucht und die Nährstoffe an Ort und Stelle.
Wege im Garten: Holzhäcksel oder grober Rindenmulch. Hier geht es nur um Unkrautunterdrückung und Begehbarkeit. Nährstoffe braucht der Weg nicht.
Unter Sträuchern und Bäumen: Rindenmulch oder Laub. Einmal im Jahr nachschichten reicht. Der Naturkreislauf erledigt den Rest.
Erdbeerbeet: Stroh, sobald die ersten Früchte sichtbar werden. Vorher mulchen bringt nichts, weil das Stroh die Bodenerwärmung im Frühjahr bremst.
Wann du nicht mulchen solltest
Mulch ist kein Allheilmittel. Es gibt Situationen, in denen du die Finger davon lässt:
- Frisch gesäte Beete: Mulch unterdrückt nicht nur Unkraut, sondern auch deine Aussaat. Erst mulchen, wenn die Pflänzchen 10 bis 15 cm hoch sind.
- Nasser, kalter Boden im Frühjahr: Mulch isoliert. Auf schwerem Lehmboden hält er die Kälte im Boden und verzögert die Erwärmung. Warte, bis der Boden sich aufgewärmt hat.
- Bei Schneckenproblemen: Feuchter Mulch ist ein Paradies für Nacktschnecken. Wenn dein Garten ein Schneckenproblem hat, mulche erst, wenn die Pflanzen robust genug sind.
- Staunasse Beete: Mulch hält Feuchtigkeit im Boden. Bei ohnehin staunassen Böden verschärft das die Situation. Erst den Boden verbessern, dann mulchen.
Typische Fehler beim Mulchen
Zu dick auftragen: 20 cm frischer Rasenschnitt auf einmal? Das fault, stinkt und erstickt den Boden. Weniger ist mehr, dafür öfter nachschichten.
Mulch direkt an den Pflanzenstiel: Immer einen Kragen von 3 bis 5 cm freihalten. Feuchter Mulch am Stiel begünstigt Fäulnis und Pilzkrankheiten. Das gilt besonders für Tomaten, die empfindlich auf Nässe am Stängelgrund reagieren.
Falsches Material am falschen Ort: Rindenmulch im Gemüsebeet entzieht Stickstoff. Rasenschnitt auf Wegen wird bei Regen rutschig. Nadelstreu macht den Boden sauer - nur dort einsetzen, wo das erwünscht ist.
Unkraut übermulchen: Mulch unterdrückt Unkrautsamen, aber kein Unkraut, das schon wächst. Erst jäten, dann mulchen. Giersch und Quecke wachsen durch jede Mulchschicht durch, laut dem NDR Gartenratgeber hilft bei hartnäckigem Wurzelunkraut nur konsequentes Ausgraben.
Mulchen gehört zu den einfachsten Maßnahmen, die den größten Unterschied machen. Weniger gießen, weniger jäten, besserer Boden. Die Materialien fallen im Garten sowieso an. Du musst sie nur verteilen, statt in die Biotonne zu werfen.